UNSERE GOTTESDIENSTE

  

WIR STARTEN WIEDER!

Gottesdienste

Lesung zum Pfingstmontag

Andacht

ZUM PFINGSTSONNTAG

Dieses Video ist ab Sonntag 0:15 Uhr online 

Liturgie Vikarin Inga Waschke

Predigt Pfarrerin Barbara Brill-Pflümer

An der Orgel Margarita Wanner

Gesang Wolfgang Reisert

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir feiern unseren Gottesdienst im Namen Gottes, 

des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

Amen. 

 

 

 

 

Psalm 118

Dies ist der Tag, den der Herr macht;

lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Oh Herr, hilf! 

Oh Herr, lass wohlklingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Wir segnen euch vom Haus des Herrn.

Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.

Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

Du bist mein Gott, und ich danke dir;

mein Gott, ich will dich preisen.

Danket dem Herrn; denn er ist freundlich,

und seine Güte währet ewiglich.

Amen 

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Wie feiert man eigentlich Pfingsten? Kein Fest mit einem weithin bekannten Ritual; kein Hase, kein Baum, kein Kranz. Vielleicht regional der eine oder andere Brauch, wie hier bei uns das Pfingsteiersingen oder das Aufstellen der Pfingstbäume. Aber darüber hinaus gibt es für Pfingsten keine weit verbreiteten für alle ähnlichen und gut bekannten Festtraditionen. Vielleicht liegt das auch am Grund des Festes, denn schon von seiner Festlegende her ist es in erster Linie ein Fest der Veränderung und der Überraschungen. Es ist das Fest des Heiligen Geistes, wenig greifbar, dafür aber mit umso mehr Energie und Kraft ausgestattet. Ein Fest, das Menschen überrascht und Situationen verändert – schon damals zum 1. Pfingstfest in Jerusalem.

Jesus war aufgefahren zum Himmel. 40 Tage war das nun her, und ratlos und ziellos beschließen die Jüngerinnen und Jünger, nach Jerusalem zurückzukehren. Dort bleiben sie beieinander, weil sie spüren, dass es gut tut, in der Trauer und Enttäuschung nicht allein zu sein, sondern die Geschichten und Erinnerungen zu teilen. Der Evangelist Lukas berichtet, wie sie sich zurückziehen ins Obergemach eines Hauses, miteinander reden, zusammen beten. Sie bleiben unter sich, schließen sich ein aus Trauer, Unsicherheit und Angst. 

Bis der Pfingsttag kommt. Der Tag des jüdischen Wochenfestes, einem Pilgerfest, an dem die Menschen in Jerusalem zusammenkommen. So herrscht buntes Treiben und fröhliches Leben in den Straßen der Stadt. Im Haus der Freunde Jesu allenfalls die Erinnerung daran. Jesus lebt, ja, aber er ist nicht mehr greifbar, sie sind allein. War alles womöglich nur eine kurze Episode in ihrem Leben? Sollten sie jetzt zurückkehren in ihren früheren Alltag? Welche Zukunft liegt vor ihnen?

 

Und da geschieht es. Die Überraschung. Die Veränderung. Lukas berichtet im zweiten Kapitel der Apostelgeschichte ausführlich davon: 

 

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,

und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa?

Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?

Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien,

Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom,

Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden.

Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?

Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen!

Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage;

sondern das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):

»Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;

und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;

die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt.

Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

 

 

Ein Fest der Überraschungen. Ein Fest der Veränderung. Ein gewaltiger Wind erfüllt das Haus, die Freunde Jesu werden be-geist-ert im wörtlichen Sinne und buchstäblich angesteckt. Sie sind Feuer und Flamme. Dieses Geschehen, wie immer wir es uns vorzustellen haben, ist jedenfalls so überwältigend und bewegend, dass die Freundinnen und Freunde Jesu gar nicht anders können, als ihren Rückzugsort zu verlassen und anderen von der großartigen Botschaft Gottes zu erzählen. So fühlt sich wohl an, was Jesus vor seiner Himmelfahrt verheißen hat: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“. Das hier war so voller Kraft, voller Energie, voller Leben – das musste der Heilige Geist, die Erfüllung jener Verheißung sein. Die Kraft, die überrascht und verändert. 

Die aus verzagten zurückgezogenen Menschen solche macht, die begeistert nach draußen gehen und ihre Geschichte erzählen

Die es schafft, dass Menschen aus aller Herren Länder, die unterschiedlicher nicht sein konnten, eine Basis finden, auf der sie sich verstehen und Barrieren und Trennendes überwinden können

Die für alle Generationen Visionen, Träume, Ideen für eine Zukunft bereithält

 

So – erzählt der Evangelist Lukas - wirkte Gottes Geist damals in Jerusalem. So – können wir im Rückblick erkennen - wirkte er immer wieder durch die Zeiten hindurch, überraschte mit Wendungen, die niemand erwartet hätte, veränderte festgefahrene Strukturen und belebte verzagte Menschen.

 

Warum also sollte er nicht genauso auch zu Pfingsten 2020 wirken? In einer Zeit, in der nichts beim Gewohnten bleibt, sondern Veränderung fast zum Alltag geworden ist. Wo könnte Gottes Geist heute wirken? Wo könnten wir ihn entdecken in unserer Lebenssituation 2020?

Vielleicht können es ganz ähnliche Überraschungen und Veränderungen sein, wie sie uns von damals aus Jerusalem berichtet werden. 

 

Da ist im biblischen Zeugnis zunächst von einem brausenden Sturmwind die Rede. Der Geist weht mit kräftigem Gebraus, bringt frischen Wind und neuen Schwung in eine Jüngerschar, die gelähmt ist von Trauer und Enttäuschung, Angst und Unsicherheit, wie es weitergehen soll. Der Heilige Geist als ein Zeichen des Aufbruchs – damals, und auch für uns heute. 

Ja, dieses Virus hat vieles lahmgelegt, aber dieser lockdown bietet auch Chancen. Die Besinnung auf Werte und Haltungen, die uns wirklich wichtig sind und die wir zur Grundlage machen möchten in einer veränderten Welt, die wir langsam wieder aus der Lähmung hochfahren. 

Der UN-Generalsekretär hat in der letzten Woche dazu eine Vision entwickelt: statt zu Systemen zurückzukehren, die nicht nachhaltig sind, so sagt er, sollten wir in eine Zukunft springen mit sauberer Energie, mit Gleichheit und der Einbeziehung aller, mit besseren sozialen Sicherheitsnetzen und Gesundheitsver-sorgung für alle Menschen. 

Der Heilige Geist als ein Zeichen des Aufbruchs – in aller Unsicherheit mutig und im Vertrauen auf Gott nach vorne zu schauen und die Chance der Veränderung zu nutzen.

 

Ein zweites erzählt die Pfingstgeschichte über den Geist: er schafft Verstehen: Die Kraft des Heiligen Geistes verbindet Menschen, weckt Verständnis füreinander, überwindet Grenzen zwischen Sprachen, Volksgruppen, Weltanschauungen, bietet eine Ebene, auf der unter-schiedliche Menschen eine gemeinsame Basis und damit ein Verständnis füreinander finden.  

Diese Art der Kraft brauchen wir – glaube ich – gerade jetzt ganz besonders, da wir langsam wieder das Leben hochfahren: ein Verständnis füreinander, dass das in unterschiedlichen Geschwindigkeiten passiert; eine Rücksichtnahme auf die, die vorsichtiger sind, sein wollen, sein müssen. Die Einsicht, dass wir nur in einer umfassenden gemeinsamen Anstrengung, nicht in vorpreschenden Einzelaktionen der Situation gerecht werden können. Miteinander, Rücksichtnahme, Solidarität sind gefragt – Wirkweisen, die uns der Heilige Geist schenkt. 

 

Und schließlich spricht die Pfingstgeschichte von Träumen, Visionen, Bildern für die Zukunft. „Eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, eure Alten sollen Träume haben und eure Knechte und Mägde sollen weissagen.“ 

Und am Ende die Verheißung eines guten Endes: „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden“ 

Der Heilige Geist bewirkt Veränderung und er schenkt Zukunft. Im Vertrauen auf ihn und mit dem Wissen um die Botschaft Jesu Christi, die er weiterträgt, können darum auch wir mutig in die Zukunft gehen. Glaube, Gottvertrauen, Nächstenliebe: das könnten - geschenkt vom Heiligen Geist - Kraftquellen sein, mit denen wir in eine Zukunft mit und hoffentlich bald auch nach Corona gehen: in der wir schauen, was jetzt gerade dran und geboten ist, in der wir vorsichtig ausprobieren, wo wir zu Vertrautem zurück können, wo gewohnte Abläufe, Rituale, Strukturen noch ruhen müssen, und wo Chancen liegen, dass Dinge völlig neu werden dürfen. Jeden Tag neu mit Liebe zu den Menschen, mit Vertrauen in Gottes Stärkung, mit der visionären Energie dieses Geistes, der verspricht, dass am Ende alles gut wird. 

 

Das wird alles nicht leicht sein. Wie anstrengend Leben im Augenblick ist und wie wir um den richtigen Weg ringen müssen, das merken wir ja gerade jeden Tag neu. Aber wir müssen das alles auch nicht alleine schaffen, sondern uns ist die Kraft des Heiligen Geistes bei all unserem Tun und Mühen zugesagt: Jener Geist, von dem Paulus an anderer Stelle sagt: es ist kein Geist der Furcht, den Gott uns gibt, sondern ein Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit! Mit ihm können wir in die Zukunft gehen!

Amen

 

 

Guter Gott, 

dein Geist weht unter uns; er ist spürbar.

Wir danken dir für die Menschen, die unermüdlich jeden Tag für uns alle und unsere Gesundheit kämpfen. Die jeden Tag ihr Bestes geben, dass wir so gut es geht diese Zeit überstehen- körperlich und seelisch. 

Wir danken dir für die Menschen, die uns mit Zukunftsvisionen beschenken. Sie geben uns Kraft und Mut, durchzuhalten und bei allen Lockerungen besonnen zu bleiben. 

Wir bitten dich um Zuversicht, an eine solidarische Zukunft zu glauben, in der jeder Mensch wertgeschätzt wird-unabhängig von seinen äußeren Gegebenheiten. 

Wir bitten dich um die Menschen, die zur Zeit allein und isoliert sind. Die sich nach ihren Familien, ihren Freunden und nach einer Umarmung sehnen. Wir bitten dich um alle Kranken und ihre Angehörigen, die sich nach Trost und Hoffnung sehnen. Sei bei ihnen, Herr, lass sie nicht allein. Geh mit ihnen und uns allen diesen Weg, der uns so viel Kraft kostet. 

In der Stille legen wir vor dich alles, was uns auf dem Herzen liegt.

Amen

 

 

Der Herr segne uns und behüte uns

Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns und sei uns gnädig

Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und schenke uns seinen Frieden.

Amen.

 

 

 

Andachten der letzen Wochen zum nachlesen und hören

Zum Sonntag Exaudi am 24.05.2020

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

 

 

 

 

 

Herzlich Willkommen zur Andacht am Sonntag Exaudi. Eine Bitte aus dem 27.Psalm gibt diesem Sonntag seinen Namen. „Herr, höre meine Stimme!“ Es ist die Bitte um Gottes Nähe und um Stärkung im Glauben. 

Dazu passt als Wochenspruch eine Verheißung des auferstandenen Christus: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32)

 

 

Als Wochenpsalm ist diesem Sonntag der 27. Psalm zugeordnet:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil;

vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft;

vor wem sollte mir grauen?

Eines bitte ich vom Herrn, das hätte ich gerne:

dass ich im Hause des Herrn bleiben könne mein Leben lang,

zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn

und seinen Tempel zu betrachten.

Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit,

er birgt mich im Schutz seines Zeltes

und erhöht mich auf einen Felsen.

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe;

sei mir gnädig und erhöre mich!

Mein Herz hält dir vor dein Wort:

»Ihr sollt mein Antlitz suchen.«

Darum suche ich auch, Herr, dein Antlitz.

Verbirg dein Antlitz nicht vor mir,

verstoße nicht im Zorn deinen Knecht!

Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht

und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil!

Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich,

aber der Herr nimmt mich auf.

Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde

die Güte des Herrn im Lande der Lebendigen.

Harre des Herrn!

Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

 

 

 

Der Predigttext zum Sonntag Exaudi steht im Buch des Propheten Jeremia im 31. Kapitel (Jer 31,31-34)

 

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

 

„Siehe, es kommt die Zeit …“ 

Gleich am ersten Satz des Predigttextes, liebe Gemeinde, bin ich hängengeblieben. Irgendwie bekannt klingt das!? Höre ich das nicht so ähnlich zur Zeit jeden Tag? „Wenn das hier vorbei ist …“; „Nach den Sommerferien im 2.Halbjahr werden wir …“; „Wenn wir zur Normalität zurückgekehrt sind …“; „Du wirst sehen, es gibt eine Zeit nach Corona …“

Oder aber: „Siehe, es kommt die Zeit“

 

Der Beginn einer Verheißung, die der Prophet damals in schwieriger Zeit seinem Volk ausrichtet. Eine grausame politische Niederlage durch die Babylonier mussten sie hinnehmen, damals im 6.Jhdt v.Chr. Die Stadt Jerusalem war verwüstet. Der Tempel zerstört. Viele mussten das Land verlassen. Leben fand fortan in der Fremde statt oder in Trümmern. Hoffnung und Zukunft – Fehlanzeige. Jeremia, der Gerichtsprophet, benennt gnadenlos all ihre Fehler der Vergangenheit, führt die Eigensinnigkeit der Menschen und die Entfernung von Gott als Grund für den Weg ins Unglück vor Augen. Aber überraschenderweise hat gerade dieser Gerichtsprophet auch eine Perspektive für die Zukunft: Gott gibt sein Volk nicht verloren; er wird einen neuen Bund aufrichten. „Siehe, es kommt die Zeit …“

Das, was ihr herbeisehnt, es wird kommen. Gott gibt sein Volk nicht verloren. Noch aber müsst ihr warten und hoffen.

 

Auch das eine nur zu bekannte Haltung: Hoffen, herbeisehnen, warten müssen.

Das üben wir nun seit Wochen. Wir warten, ersehnen und hoffen. Und es fällt uns zunehmend schwerer. Je länger, je mehr. Wir wollen eine Perspektive, wir ersehnen ein Ende des Krisenmodus, am liebsten hätten wir ein Datum vor Augen. Wann ist es – endlich – vorbei? Wann ist es wieder gut, wann ist es wieder wie vorher? Manche werden zunehmend ungeduldig. Und es beginnt die Diskussion um die Geschwindigkeit, mit der wir zu Gewohntem zurückkehren können, und wie wir zugleich eine 2. Infektionswelle verhindern oder beherrschbar machen können. Hoffen, herbeisehnen und zugleich warten müssen.

 

Von der gleichen Situation hören wir auch in den Festlegenden zu den aktuellen Feiertagen. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wir“ haben die Jüngerinnen und Jünger zu Himmelfahrt von Jesus gehört. Diese Kraft hat er ihnen verheißen als Kontinuum und zugleich als Neuanfang, wenn er nicht mehr bei ihnen ist. Aber: noch ist dieser Geist nicht gekommen. Noch ist das Pfingstwunder nicht geschehen. Also müssen sie warten, die Jüngerinnen und Jünger, sitzen zusammen im Obergemach des Hauses, wo sie sich so oft versammelt hatten - wie der Evangelist Lukas berichtet - hoffen, warten und beten. Vielleicht mit den alten Worten aus dem 27. Psalm, wie wir sie vorhin gebetet haben. Den man im Volk Israel schon immer gebetet hat.  Den auch sie schon so oft gebetet hatten, wenn sie unsicher waren, wenn sie sich Sorgen machten, wenn sie Gott gern gehört hätten oder gespürt. Wenn sie ihn angefleht haben, sich zu zeigen, zu helfen, die Not zu lindern, die gerade auf ihnen lastet. „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ 

Sie sitzen zusammen, beten und warten. Sie warten darauf, dass sich erfüllt, was er versprochen hat: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein.“

Hoffen, herbeisehnen und zugleich warten müssen.

 

Zwei Episoden aus der langen Glaubensgeschichte Gottes mit den Menschen. Beiden gemeinsam ist die Botschaft, die von ihnen ausgehend uns heute erreicht als Hoffnungs- und Ermutigungsbotschaft: Gott eröffnet Zukunft in schwieriger Zeit! „Siehe, es kommt die Zeit“

Gott wird mit dem Hause Juda und dem Hause Israel einen neuen Bund schließen, weiß Jeremia. 

Gott wird den Heiligen Geist, den Tröster, senden an Jesu statt, vertrauen die Jüngerinnen und Jünger. 

Gott wird in seiner Zuwendung zu den Menschen, die in der schwierigen Zeit ins Wanken geraten ist, am alten Bund anknüpfen, aber er wird nicht dorthin zurückkehren. Einen neuen Bund mit neuer Qualität wird er errichten. Die Beziehung auf andere Säulen stellen. Damit überwindet er das Frühere, das keinen Bestand haben konnte, und öffnet den Blick für eine gute, neue Zukunft.  

 

„Siehe, es kommt die Zeit.“ 

Und die wird nicht einfach das Alte wiederherstellen. Sie wird eine neue Qualität haben. Der Prophet spricht von einem neuen Bund, bei dem wir von Gottes Nähe nicht nur sprechen und sie lehren, sondern sie erleben können. Nicht bloß im Kopf und auf den Lippen wird sie sein, sondern im Herzen. Und darum im ganzen Menschen. Was in meinem Herzen wohnt, bestimmt mein Leben, was ich denke, glaube, hoffe, tue. „Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben“, verspricht Gott.

 

„Siehe es kommt die Zeit“ 

Das ist die Verheißung, dass Gott auch und gerade in der Krise Zukunft eröffnet. Damit stellt er uns ein Zielbild vor Augen – keines, das wir mit einem Datum versehen könnten, wie wir das vielleicht gerne tun würden – aber ein Zielbild, das heute schon wirkt. Weil wir darauf unsere Hoffnung und Sehnsucht ausrichten können. Weil es anspornt, diese gute Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren, sondern geduldig darauf zu warten und zugleich das, was möglich ist, dafür schon zu tun. Hoffen, warten, herbeisehnen – und in langsamen Schritten wieder aktiv werden. Dabei auf Gott und seine Verheißung vertrauen. Dass er es gut mit uns meint. Dass er eine Zukunft für uns hat, auch wenn wir sie noch nicht sehen. Dass er uns die Zweifel vergibt, die Ungeduld, die Forderungen und Enttäuschungen, die uns von ihm getrennt haben. Und dass er uns auch das Warten lehrt. Auf die Erfüllung seiner Verheißung. „Siehe, es kommt die Zeit.“ Mit Gottes Hilfe warten wir darauf geduldig. Und bis dahin beten wir mit den Jüngerinnen und Jüngern und vielen anderen:

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ Amen.

 

 

Gebet

Ewiger Gott, du bist unsere Stärke und unsere Hoffnung.

Zu dir kommen wir und bitten: 

Höre unsere Stimmen, wenn wir rufen. Sei uns gnädig und erhöre uns.

Wir bitten für alle, deren Leben in eine Sackgasse geraten ist.

Zeige ihnen einen Weg!

Für alle, die unter der Last des Alltags den Blick für die Wunder deiner Schöpfung verlieren. 

Öffne ihnen neu die Augen!

Für alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind, für alle Kranken, alle Sterbenden, alle Trauernden. 

Sende Zeichen des Trostes und der Zuwendung!

Für alle, die auf Erneuerung hoffen, auf Aufbrüche aus dieser Zeit.

Lass sie Spuren deines Geistes erkennen!

Für alle, die Verantwortung tragen, in Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Kirche. Gib, dass sie sich von deinem Geist leiten lassen. 

Ewiger Gott, du bist unsere Stärke und unsere Hoffnung.

Zu dir kommen wir und bitten: 

Höre unsere Stimmen, wenn wir rufen. Sei uns gnädig und erhöre uns.

Wir vertrauen darauf: Du bist nahe! Du bist da!

Amen.

 

 

 

Als Lieder der Woche sind uns vorgeschlagen:

Eg 128 Heilger Geist, du Tröster mein

Eg 136 O komm, du Geist der Wahrheit

 

 

Segen:

Gott segne uns und er behüte uns.

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

 

 

 

Die Kollekte am heutigen Sonntag ist bestimmt zur Förderung innovativer Projekte und neuer Formen von Gemeindearbeit

Unter diesem link können Sie online spenden: 

https://www.kd-onlinespende.de/organisation/ev-kirche-im-rheinland/display/frame.html

 

Zum Sonntag Rogate am 17.05.2020

Andacht zum Sonntag Rogate am 17.05.2020

 

 

 

 

 

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

 

 

 

Sich betend und bittend an Gott wenden, das ist das Thema dieses Sonntags, der Rogate- Betet!/Bittet! heißt.

Der Spruch der Woche ist ein Psalm:

Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66, 20)

 

Als Wochenpsalm ist diesen Sonntag der 95. Psalm zugeordnet:

Komm herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken

und jauchzen dem Hort unseres Heils!

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen

und mit Psalmen ihm jauchzen!

Denn der Herr ist ein großer Gott

und ein großer König über alle Götter.

Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde,

und die Höhen der Berge sind auch sein.

Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht,

und seine Hände haben das Trockene bereitet.

Kommt, lasst uns anbeten und knien

und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn er ist unser Gott

und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

wir begeben uns auf eine kleine Reise in unser Inneres und hören, was Jesus nach der Überlieferung des Matthäus zum Beten sagt:

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu.

Ich verlasse den Trubel, die Hektik des Alltags, ich ziehe mich zurück. Ich gehe in mein Zimmer und schließe die Tür. Sie knarzt, als sie in den alten Rahmen fällt. Ruhe überkommt mich und ich atme ein und aus. Ein Sonnenstrahl fällt durchs Fenster herein und ich sehe die Staubkörner tanzen. Der Holzschrank duftet zart nach Harz und Erde. Ich bin ganz bei mir. 

Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird’s dir vergelten.

Ich setze mich auf den Boden und schließe die Augen. Meine Muskeln entspannen sich. Ich atme tief ein und aus. Meine Gedanken wirbeln durcheinander. Ich atme wieder ein und aus. Ich merke, dass die Last des Tages langsam von mir abfällt. Beim nächsten Atemzug entspannen sich auch meine Schultern. Ruhe kehrt ein. Die Gedanken in meinem Kopf werden leiser. Ich fühle die Wärme des Sonnenstrahls auf meinem Gesicht. Langsam breiten sich Gefühle in mir aus und ich nehme wahr, wie es mir geht. Ich merke, dass noch jemand meine Gefühle wahrnimmt. Ich freue mich, seine Gegenwart zu erahnen. Ich fühle mich angenommen, mit meinen Gedanken und meinen Gefühlen. Es ist schön, ganz bei mir zu sein. Mich mit dem, was ich jetzt gerade bin, wahrzunehmen und zu spüren.

Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

In mir ist es ganz durcheinander. Bilder und Wortfetzen schwirren durcheinander; Dinge, an die ich noch denken wollte; Menschen, denen ich etwas mitzuteilen habe; der Brief, der noch nicht eingeworfen ist. Ich seufze. Es tut richtig gut zu seufzen. Ich seufze nochmal. Und lächle ein bisschen über das Geräusch, das meine Nase beim Seufzen macht. 

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen.

Zum ersten Mal heute werde ich still. In  meinem Kopf wird es ruhiger.

Da überkommen mich Worte, die ich schon oft gesprochen habe. Ich spreche sie still und nehme mir Zeit, sie mir anzusehen und darüber nachzudenken.

Ich beginne zu beten:

 

Unser Vater im Himmel!

Dein Name werde geheiligt.

Gott, du bist unsere Mutter und unser Vater; ich bin dein Kind. Ich gehöre zu dir, ich brauche dich, bitte höre mich! 

Gott, du bist heilig, unbegreiflich, größer, als ich es mir vorstellen kann. Hilf mir, dass ich dich heilige und ehre in meinem Leben. Steh mir zur Seite, dass ich deine Gebote beachte und dass ich so kraftvoll liebe wie du uns liebst. 

Dein Reich komme.

Dein Wille geschehe

wie im Himmel so auf Erden.

Gott, du bist allmächtig, du hast diese Welt erschaffen, du hast das Leben erschaffen, du hast uns erschaffen. Du bist allgegenwärtig, du wirkst in jedem Pulsschlag und in jeder Fotosynthese. Du bist allgütig, du liebst uns als deine Kinder. Hilf uns, dass wir gütig und liebevoll mit uns und unseren Mitmenschen umgehen, dass wir deine Schöpfung achten und bewahren. Dein Himmelreich möge auch unter uns schon spürbar werden. 

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Hier sind wir, Gott, hier stehen wir vor dir, in all unserer Zerbrechlichkeit. Wir brauchen dich, Gott, um zu leben, denn du erhältst unser Leben. Du bist der Anfang und das Ende. Gib uns, was unsere Körper stärkt, aber schenke uns auch das, was unsere Seelen erfüllt. Sorge dich um uns, wenn wir Hunger nach Nahrung haben, und sorge dich um uns, wenn wir Durst nach Gemeinschaft haben.

Und vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Gott, hier bin ich. Eine*r unter vielen. Hier bin ich. Mit allem, was mich ausmacht. Nichts von mir ist dir verborgen. Meine Stärken und meine Schwächen, meine Träume und mein Scheitern. Sieh mich an. Ich wünsche, Gutes zu tun, und bewirke doch manchmal Schlechtes. Sieh mich an. Gebrochen bin ich und geheilt zugleich. Ich bin voller Tränen und Angst, voller Schuld und Ohnmacht. Das bin ich. Gott, nimm mich an und vergib mir. Gib mir die Kraft, denn auch ich will vergeben können.

Und führe uns nicht in Versuchung,

sondern erlöse uns von dem Bösen.

Gott, manchmal ist es schwer, das Richtige zu tun oder zu sagen. Ständig lauert die Gefahr, einen anderen Menschen zu verletzen oder etwas Unrechtes zu tun. In unserem Miteinander geraten wir an Grenzen und wir missverstehen uns. Manchmal höre ich nicht zu, wenn ich mich mit einem Problem nicht befassen möchte oder ich schaue weg, wenn Unrecht geschieht. Hilf mir, meine inneren Grenzen zu überwinden- jeden Tag aufs Neue.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Ja, Gott, ich glaube, dass es dein Reich gibt, auch wenn ich manchmal zweifle. Ich vertraue dir. Du hast diese Welt erschaffen, du bist so kraftvoll! Ja, wenn ich sehe, wie es grünt um mich herum und die Bienen so fleißig die Blüten bestäuben, wie aus den Samen auf dem Feld die Pflänzchen wachsen, ja, dann erahne ich deine Herrlichkeit, die sich nicht unterkriegen lässt, sondern auch unter den widrigsten Umständen strahlt und mich wärmt. 

Amen.

Ich atme ein und aus. Mein Herz pocht ruhig und meine Seele ist entspannt. 

Ich danke dir, du hast mich mit Kraft und Zuversicht aufgetankt. Langsam öffne ich die Augen und stehe auf. Mein Körper ist ausgeruht und ich öffne langsam die Tür. Ich bin gestärkt und wieder bereit für das Leben, wie es kommt. 

 

Gebet

Guter Gott,

in der Stille bringen wir vor dich all das, was uns bewegt. 

Unsere Ängste und Sorgen, die uns nachts wachhalten,

unsere Hoffnung und Zuversicht, die uns tagsüber antreibt,

unsere Träume und Wünsche für die Zukunft

und unsere Erinnerungen an Vergangenes. 

Schmerzhafte und schöne Gedanken,

traurige und leichte Gefühle,

alles, was uns ausmacht, bringen wir vor dich.

Du siehst uns, du hörst uns, 

du bist da.

Guter Gott,

wir bitten dich um Ruhe und Gelassenheit,

dass wir in den Stürmen des Lebens nicht den Kopf verlieren,

sondern klar und bedächtig auch die größten Entscheidungen angehen.

Wir bitten dich um Mut,

dass wir in großen und kleinen Krisen Verantwortung übernehmen

und die richtigen Worte finden.

Wir bitten dich um Weitsicht,

dass wir klug und umsichtig in alle Richtungen denken und nichts aus dem Blick gerät.

Wir bitten dich um Kraft,

bei Schwierigkeiten nicht zu verzagen, 

sondern jeden Morgen frisch und neu unser Tagwerk anzugehen. 

Wir bitten dich um all jene, 

die traurig und krank sind. Sei ihnen ein Sonnenstrahl, der ihren Lebensmut nährt 

und der sie tröstet, wenn sie weinen. 

Guter Gott,

danke, dass du da bist.

Amen.

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

 

Als Lieder der Woche sind uns vorgeschlagen:

EG 344 Vater unser im Himmelreich

EG. E9 Unser Vater

Auch passend sind die Lieder

EG 209 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Taizélied Vater unser

 

 

 

Die Kollekte am heutigen Sonntag ist für die Vereinte Evangelische Mission bestimmt.

Unter diesem Link können Sie gerne auch online spenden:

https://www.kd-onlinespende.de/organisation/ev-kirche-im-rheinland/display/frame.html

zum Sonntag Kantate  am 10.05.2020

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. 

 

 

 

 

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ – so beginnt der 98. Psalm, der diesem Sonntag seinen Namen gegeben hat: Kantate – Singet! 

Das Singen und insgesamt die Musik prägen darum auch diesen 4.Sonntag nach dem Osterfest. Er ist zum Sonntag der Kirchenmusik geworden. 

 

 

Und der namensgebende Psalmvers ist zugleich der Wochenspruch für die neue Woche:

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ (Ps 98,1)

 

 

Als Wochenpsalm ist diesem Sonntag der 98. Psalm zugeordnet:

Singet dem HERRN ein neues Lied,

denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten

und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen;

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel,

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt,

singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen,

mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen

jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist,

der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken,

und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; 

denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit 

und die Völker, wie es recht ist.

 

 

Der Predigttext zum Sonntag Kantate steht im 2. Buch der Chroniken im 5. Kapitel (2 Chr 5,2-14):

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion.

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat gefeiert wird.

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten.

6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte.

7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den Chorraum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim,

8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her.

9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Chorraum in der Tempelhalle sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag.

10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen.

11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass sie sich an die Ordnungen hielten –,

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertundzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen.

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

 

Liebe Gemeinde,

das lässt einen ja schon schmunzeln am Ende dieser Erzählung: eine große Inszenierung mit unzähligen Beteiligten und nach genau festgelegter Regie – und am Ende: als die Musik einsetzt, „da wurde das Haus des Herrn erfüllt mit einer Wolke, sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke, denn die Herrlichkeit Gottes hatte das Haus Gottes erfüllt.“ 

„Wo Gott anwesend ist, müssen die Priester Pause machen“ – so fasst der Leipziger Theologieprofessor Alexander Deeg die Pointe dieser alten Erzählung zusammen.

Die Musik führt dazu, dass Gott im Raum gegenwärtig ist; und alles liturgische und kultische Handeln der Priester muss dahinter erstmal zurückstehen, muss Pause machen.

 

Wir befinden uns gerade in der Situation, dass die Pause – zumindest was die Präsenzgottesdienste in unseren Kirchen angeht – ihrem Ende zugeht. Gottesdienstliches Leben mit Menschen im Kirchenraum ist wieder möglich. Und nach und nach beginnen die Gemeinden damit, solche gottesdienstlichen Angebote in den Kirchen - mit allen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen - wieder zu beleben.  Auch wir hier in Honrath laden ab demnächst wieder zu Gottesdiensten in unsere schöne alte Kirche ein. Das allerdings ohne solch große Aufführungen und Inszenierungen, wie sie uns das Chronikbuch berichtet. Auch nicht mit musikalischen Aufführungen und Gottesdienstbegleitungen, wie wir sie eigentlich in dieser Zeit gewohnt sind und wie wir sie schätzen: am Sonntag Kantate, zur Konfirmation, zu Pfingsten – mit Chören, Vocalensembles, Instrumentalisten… 

In diesem Jahr selbst ganz ohne Gemeindegesang, weil wir gelernt haben, dass der Ausstoß möglicher Viren in die Luft durch das Singen erhöht wird und so die Ansteckungsgefahr wächst. Darum verzichten wir darauf – aus gutem Grund, aber mit großem Bedauern, weil uns Entscheidendes in unserem Gottesdienst fehlen wird. Ein wichtiges Element der Verbundenheit nämlich. Gemeinsames Singen schafft Verbindung über viele Grenzen und Unterschiede hinweg. Es verbindet alt und jung, reich und arm, Fremde und Freunde. Musik hat ihre ganz eigene Sprache, die auch dann funktioniert, wenn Menschen unterschiedliche Sprachen sprechen, wenn sie unterschiedlichen Kulturen, Religionen, Nationen angehören. Wie viele Beispiele gibt es von musikalischen Initiativen, die Grenzen und Feindschaften zwischen Nationen und Volksgruppen zu überwinden helfen! Welche Verbundenheit entsteht, wenn ein Stadion voller Fußballbegeisterter mit Fangesängen die eigene Mannschaft anfeuert! Wie groß ist das Gänsehautgefühl, wenn bei großen Konzerten alle Fans mit in den Gesang einstimmen! 

Wenn Menschen gemeinsam singen können und sich ganz von diesem Gesang tragen lassen, dann geschieht etwas ganz besonderes – mit der Gruppe, aber auch mit jedem und jeder Einzelnen. Dann verbinden sich Worte, Melodien, Stimmungen, Menschen – eine besondere Form des Zusammenhalts und das Gefühl des gegenseitigen Tragens und Getragen-Seins.

 

Das haben wir in den letzten Wochen auch beim Singen in viel kleineren Kreisen erlebt. In Italien fing es an: als der lockdown kam, da begannen die Menschen auch, sich auf den Balkonen zu treffen und gegen das Virus und ihre Angst und für das Miteinander und den Mut zu singen. So sangen sie gegen die Vereinzelung und die Unsicherheit an. Und auch bei uns in Deutschland hat sich vielerorts dieser Brauch fortgeführt; bei uns hier in unserer Straße in Honrath bis zum heutigen Tag. Nach dem Abendläuten singen wir Nachbarn gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“. Es ist ein festes Ritual geworden, ein Ankerpunkt in einer schwankenden Welt, ein Zeichen der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit in der Nachbarschaft.

 

Von ähnlichen Erfahrungen des Zusammenklangs berichtet auch das Chronikbuch in unserem alten Text. Ganz bewundernd heißt es dort:

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus des HERRN erfüllt mit einer Wolke,

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

 

Fast wie ein Wunder scheint es der Chronist zu erleben, jedenfalls als eine ganz besondere Erfahrung: Diese Hunderte von Sängern und Musikern, sie sangen und spielten mit einer Stimme, wie ein einziger Mann – in einem ganz besonderen Einklang. Es war ein solch beeindruckend harmonisches Zusammenspiel, dass man voller Bewunderung zuhörte. Und dass es wohl die, die zuhörten, veränderte und eine großartige Erfahrung machen ließ. Es geschah in dieser Musik etwas Geheimnisvolles. Der Chronist sagt: Die Herrlichkeit Gottes erfüllte mit dieser Musik den Raum. 

 

Wir erleben im Musizieren und Musik-Hören ähnliches: die Musik verändert uns; sie geht tiefer als nur in unsere Ohren, sie trifft unsere Seele. Sie kann uns tragen, sie kann uns beruhigen, sie kann uns beglücken und in Jubel und Ekstase versetzen. Da wird eine andere Dimension spürbar. 

Da wird eine göttliche Dimension spürbar – erzählt der alte Text. In und mit der Musik erfüllt Gottes Herrlichkeit das Haus Gottes. Und sie erfüllt es so raumgreifend, dass der Dienst der Priester dem erst einmal weichen muss. Da steckt dann wohl auch eine gehörige Portion Kritik in diesem alten Text – oder auch Lehrreiches, wie man es sehen möchte: nämlich der Hinweis, worauf es eigentlich ankommt, wenn wir Gottesdienst feiern, wenn wir uns in Gottes Namen versammeln: darauf, dass Gottes Gegenwart unter den Menschen spürbar und erlebbar wird. 

 

Das lehrt uns der alte Text heute am Sonntag Kantate. Dass Gottes Gegenwart unter den Menschen spürbar wird – das kann durch vielerlei Formen von Gottesdienst geschehen, in der Kirche, am Radio, am Fernsehen, per Video, zuhause allein oder mit der Familie am Küchentisch. Wir haben das in den letzten Wochen vielfältig erlebt. Wichtig ist allein das Erleben: du bist nicht allein. Du bist verbunden. Mit vielen anderen und mit Gott. Im Klagen wie im Loben. Im Bitten wie im Danken. Du bist nicht allein. Und Gott ist mit dir – an dem Ort, an dem du dich gerade befindest. Auf den Wegen, die du gehst. Die Gegenwart Gottes ist spürbar.

Dass Gottes Gegenwart unter den Menschen erlebbar wird – das muss das Ziel all unseres kirchlichen, gottesdienstlichen, liturgischen Handelns sein. Und dazu gehört eben ganz entscheidend auch die Musik, die mit ihrer Kraft diese göttliche Dimension in ihrer ganz eigenen Sprache erlebbar macht. Und damit Menschen untereinander und mit Gott verbindet. Denn – so hat es der große Musiker J.S. Bach einmal zusammengefasst: „Bei einer andächtigen Musik ist allzeit Gott mit seiner Gegenwart“. Amen. 

 

 

 

Gebet

Gott, wir danken dir für das Geschenk der Musik, das unser Leben bereichert. 

Wir danken für jeden guten Ton, den wir hören, 

für jedes Lied, das uns anrührt.

Wir danken dir für die Menschen, 

die für und mit uns musizieren, 

und für die Verbundenheit, die so entsteht.

 

Wir bitten dich für die, deren Ohren verschlossen sind,

die kein Klang mehr erreicht, die die Einsamkeit bedrückt.

Für alle, die diese schwierige Zeit lähmt, 

die träumen von fröhlicher Musik und beschwingtem Tanz,

von gemeinsamem Singen und Spielen.

 

Wir denken vor dir an alle, 

denen jeder Gesang im Halse stecken bleibt, weil die Not gerade so groß ist,

an die, die nie gelernt haben zu singen und zu loben,

an die, die meinen, auf ihre Stimme käme es nicht an.

Öffne ihre Ohren behutsam für den Klang deiner Gegenwart.

 

Hilf uns allen, die Schönheit der Welt zu besingen

und die Klage der Verletzlichen heraus zu rufen.

Dafür brauchen wir deine Stimme und deinen Klang in uns.

Amen.

 

 

Als Lieder der Woche sind uns vorgeschlagen:

Eg 302 Du, meine Seele singe

LzHuE (Liederbuch zwischen Himmel und Erde) 1 Ich sing dir mein Lied

 

Segen:

Gott segne uns und er behüte uns.

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

 

 

 

Die Kollekte am heutigen Sonntag ist bestimmt zur Förderung der Kirchenmusik

Unter diesem link können Sie online spenden: 

https://www.kd-onlinespende.de/organisation/ev-kirche-im-rheinland/display/frame.html

 

Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini (26.4.2020)

Andacht zum Sonntag Miserikordias Domini
QuickTime Video Format 32.9 MB

 

 

 

Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen. 

 

 

 

 

Dieser Sonntag widmet sich der Barmherzigkeit Gottes und er kreist in seinen Texten um das Bild von Gott, dem guten Hirten. 

Dazu der Wochenspruch für die kommende Woche aus dem Johannes-Evangelium:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10, 11+27+28)

 

Als Wochenpsalm ist diesem Sonntag der 23. Psalm zugeordnet:

Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben

im Hause des HERRN immerdar.

 

 

 

Liebe Gemeinde, 

 „Möge Gott auf dem Weg, den du gehst, vor dir hereilen. Mögest du die hellen Fußstapfen des Glücks finden und ihnen auf dem ganzen Weg folgen.“ – so lautet ein alter irischer Wunsch für die Lebensreise. Ein Wunsch, der in unserer tiefen Sehnsucht nach Glück und Sicherheit wurzelt. Gott geht vor uns her. Wir erkennen seine hellen Fußstapfen und folgen ihm auf einem glücklichen und sicheren Lebensweg. 

Unser Predigttext heute redet ebenso von dieser Lebensreise, von diesem Weg, den wir zu gehen haben, und er rät uns, auf dieser Lebensreise den „Fußstapfen“ Christi nachzufolgen. Und dann erzählt er uns, wer das eigentlich ist, dem wir da folgen sollen, und was der getan hat, der uns zum Vorbild gereichen soll: es ist der Leidende und Gekreuzigte, zugleich der gute Hirte und Bischof unserer Seelen. 

 

Hören wir auf den Predigttext aus dem 1. Petrus-Brief im 2. Kapitel (2,21-25):

21 Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 

22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 

23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 

24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 

25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Große Worte sind das; und dass Fußstapfen, in die man zu treten hat, groß, ja manchmal zu groß sind – diese Erfahrung ist ja sogar sprichwörtlich geworden. 

Schauen wir sie uns also etwas genauer an, was es mit den Fußspuren des Hirten unserer Seelen auf sich hat:

Als erstes fällt uns dazu vermutlich das vertraute Bild von Gott als dem guten Hirten ein. Der, der für seine Schafe sorgt und sie vor allem Bösen behütet. In seiner Nähe ist Geborgenheit und Schutz zu finden. In seiner Nähe geht es den Schafen gut. 

„Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln“. Der Anfang des alten Psalms als ein Wort voller Gottvertrauen. Da kann ich mich bergen wir ein Kind bei seinen Eltern. Da ist kein Zweifel, keine Frage, kein kritisches Nachdenken, keine Krise, nur tiefes Vertrauen: Gott ist für mich da und macht alles gut. Und das ist richtig so.

 

Nun bleiben wir aber keine Kinder. Das Leben lehrt uns, früher oder später, dass wir selbst als solche, die an Gott glauben, als solche, die in der Nähe des guten Hirten bleiben, nicht vor allem Bösen geschützt sind. Wir erfahren, Leid gehört zum Leben dazu. Auch zum Leben von uns Christinnen und Christen. Die Erfahrung von Leid und Schmerz, von Ungerechtigkeit und Enttäuschung, von Tod und Sinnlosigkeit kann den Glauben an Gott infrage stellen und erschüttern. Bis zum Äußersten des Zweifels, ob es denn Gott überhaupt gibt. 

„Gäbe es Gott, den guten Hirten wirklich, könnte er doch so viel Leid nicht zulassen“ – wie oft höre ich solche Überlegungen in Seelsorgesituationen.

Genau da setzt unser Predigttext ein und hilft dem kindlichen Glauben, erwachsen zu werden, indem er uns zeigt: Gott, der gute Hirte, und Gott, der in seinem Sohn als Mensch lebte wie wir, ist derselbe. Der gute Hirte, der uns behütet und beschützt, er hat selber gelitten und Schmerz erfahren, ist gar selbst durch tiefste Verzweiflung gegangen. Er ist gestorben und hat die Erfahrung des Todes gemacht – wie wir und für uns. 

Das verändert das idyllische Bild von dem Guten Hirten, den nichts und niemand erschüttern kann, der immer alles sofort wieder gut macht und dem man einfach nur als Schaf hinterher traben muss. 

 

Dieselbe Entwicklung finden wir so ja auch im 23.Psalm, der so idyllisch beginnt: Dieser Psalm weiß davon, dass Gott uns Gutes schenkt; das, was wir zum Leben brauchen und vieles darüber hinaus. Der gute Hirte führt zu guten Weideplätzen und ebenso zu Wasserstellen. Er „erquickt“ die Seele – er schenkt Hoffnung und Kraft, positive Energie und Begeisterung. Gute Ideen und Freude. 

Der Psalm weiß aber ebenso auch, dass zu einer Lebensreise dunkle Täler dazugehören und dass wir auch hier mit Gott unterwegs sind und nicht ohne ihn. Wir müssen diese schweren Zeiten nicht allein durchstehen. Christus, der die Tiefen des Leides kennt, geht mit uns mit. Er trägt, er tröstet, und er ist es, der uns aus diesen Tälern wieder hinausführt. 

Auch von den Feinden im Leben weiß der Psalm. Menschen, Situationen, Zusammenhänge, die uns umzingeln wie Feinde: Klimawandel, Coronakrise, Flüchtlingsströme, Unternehmer mit Angst vor der Pleite, Familien mit Sorge um den Arbeitsplatz. Im Angesicht solcher und anderer Feinde deckt Gott mir den Tisch -erzählt es der Psalm. D.h. Gott sorgt dafür, dass ich gestärkt werde, wieder Kraft und Energie bekomme.

 

„Ich werde bleiben im Hause des Herren immerdar“ – mit diesen Worten schließt der Psalm. Im Hause des Herrn bleiben, das heißt für mich: ich bleibe Teil der „Herde Christi“, Teil der christlichen Gemeinschaft. Denn sie ist der Ort, an dem ein Mensch die Geborgenheit im Glauben erleben und erfahren kann: Hier werde ich getragen und hier trage ich andere. 

Hier erleben wir: wir sind als solche, die den Fußspuren Christi folgen, nicht allein. Wir sind Teil einer Gemeinschaft, die Jahrhunderte alt und immer noch gemeinsam unterwegs ist. Weggefährten sind da, mit denen ich meine kritischen Fragen, meine Zweifel und meine Überzeugungen, meine Freude und meine Hoffnung, meine Erfahrungen mit Gott teilen kann.

In diesem Zusammenhang erhält das gerade so aktuelle Wort der „Herdenimmunität“ noch einmal einen ganz anderen Klang. „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ verspricht uns der Petrusbrief. Auch als Christinnen und Christen sind wir nicht gefeit vor dem Virus und seinen Gefahren, aber nach Ostern sind wir immunisiert gegen die Macht des Todes und der Verzweiflung – und das wird für jede und jeden umso mehr spürbar, wenn wir in der Gemeinschaft derer bleiben, die in diesen Fußstapfen Jesu Christi unterwegs sind. Das stärkt uns, auch für die Gesamtheit dieser Herde einzutreten: alles dafür zu tun, dass gefährdete Menschen vor den Folgen des Coronavirus geschützt werden, uns einzusetzen für Nachhaltigkeit und Klimaschutz  in Gottes wunderbarer Schöpfung, Geflüchtete aus tiefstem Elend zu retten; Frieden zu stiften, wo Krieg und Misstrauen finstre Täler hinterlassen; eben „der Gerechtigkeit zu leben“  - wie es der Petrusbrief zusammenfasst. 

Als Schafe in der Herde Jesu Christi können wir zuversichtlich auch die schweren Wege der Gegenwart wagen. Denn unser Hirte kennt alle Höhen und Tiefen des Weges. Und er steht ein dafür, dass wir nicht in die Irre laufen. Es sind seine Fußstapfen, die uns den Weg weisen. Er geht voran und er stellt uns immer wieder Gefährten an die Seite, die mit uns unterwegs sind.  Das macht uns stark für unsere Lebensreise. Amen.

 

Gebet

Großer Gott, als Hirte kennst du jeden und jede Einzelne von uns. 

Wir dürfen dir vertrauen und deinen Wegen folgen. 

Wir bitten dich für Menschen, denen es an Vertrauen zu dir mangelt, die zweifeln und leiden unter dem Leben: Lass sie erkennen, dass du sie leiten willst als guter Hirte und sie mit dir auf einem guten Weg sind. 

Wir rufen zu dir: Gott, erbarme dich.

 

Großer Gott, dein Wort hören und deiner Liebe vertrauen, nach deinem Willen leben: Wie gut ist das, aber auch wie schwer. Wir brauchen deine Liebe, die unsere Ohren auftut und unser Herz bewegt. 

Wir rufen zu dir: Gott, erbarme dich.

 

Großer Gott, wir bitten dich für alle, die aktuell leiden in dieser Welt: für die Frauen, Männer und Kinder in den Kriegsgebieten und auf der Flucht; für die Erkrankten und Sterbenden weltweit; für die, die im Kampf gegen das Virus an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen; für die, die in dieser Krise um ihre Existenz fürchten müssen. 

Wir bitten dich, Gott: Sende deinen Geist und lass uns zu gemeinsamen Anstrengungen und einem solidarischen Miteinander finden. 

Wir rufen zu dir: Gott, erbarme dich.

 

Großer Gott, du erhältst deine Kirche, versprichst, auch in schwierigen Zeiten mitten unter uns zu sein. 

Wir bitten dich für unsere Gemeinden, dass sie Wege finden, auch unter diesen neuen Bedingungen nahe bei den Menschen zu bleiben und mit der Verbreitung deines Evangeliums Kraft und Zuversicht in diese Welt zu tragen. 

Wir rufen zu dir: Gott, erbarme dich.

 

In der Stille bringen wir vor dich, was uns auf der Seele liegt. 

Stille

Großer Gott, wir bitten dich, erhöre unsere Gebete. 

Du lebst mit uns und für uns als der Hirte, der seine Herde sicher führt und niemals aufgibt. Unter deinem Schutz dürfen wir leben, dafür danken wir. Amen.

 

 

Als Lieder der Woche sind uns vorgeschlagen:

Eg 274 Der Herr ist mein getreuer Hirt

Eg 358 Es kennt der Herr die Seinen

Auch passend sind die Lieder 

„We are marching in the light of God“ (Liederbuch Zwischen Himmel und Erde 116) und „Lobe den Herrn meine Seele“ (Liederbuch Zwischen Himmel und Erde 141)

 

 

 

Segen:

Gott segne uns und er behüte uns.

Er lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.

Gott erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen.

 

 

 

Gottesdienste werden jetzt digital gefeiert

Wo sind im Kirchenkreis Gottesdienste als Audiodatei oder Video oder livestream zu finden?

Andacht zum Hören, Mitmachvideo für Kinder, Livestream, Videogruß...

 Eine Terminübersicht über digitale Gottesdienste in der Evangelischen Kirche im Rheinland finden sie hier.

Ausgangskollekten 

 

Da wir zur Zeit leider keine Gottesdienste miteinander feiern können, hat das Presbyterium beschlossen,

für jede Ausgangskollekte

50,00 EUR für die festgelegten Zwecke weiter zu leiten.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns dabei unterstützen und Ihrerseits den Betrag, den Sie sonst in die Kollekte werfen würden, an uns weiter leiten.

Sie können uns gerne einen Brief in den Briefkasten am Peter-Lemmer-Haus  werfen, oder das Geld überweisen an unser Konto bei der KSK Köln, IBAN DE77 3705 0299 0010 0005 03.

Sollten die gesammelten Kollekten unter dem Betrag von 50,00 EUR liegen, wird der Rest aus der Diakoniekasse unserer Kirchengemeinde übernommen.

Im April sind folgende Ausgangskollektenzwecke festgelegt:

 

05.04.2020 Diakonische Kinder- und Jugendhilfe / Spezielle medienpädagogische Angebote und Projekte rund um die digitale Kommunikation für Jugendliche, die kein behütetes Elternhaus haben.

 

09.04.2020 Äthiopien EOC DICAC  / Förderung von alternativen Einkommensmöglichkeiten zur Verhinderung von weiterer Abholzung der Wälder zwecks Verkauf von  Feuerholz

 

10.04.2020 Themensonntag für Gefährdete / Hilfe für Wohnungslose, Inhaftierte und Suchtkranke

 

11.04.2020 Brot für die Welt / Hunger nach Gerechtigkeit 

 

12.04.2020 Brot für die Welt

 

19.04.2020 Integrations- und Flüchtlingsarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland

 

26.04.2020 Bildungs- und Begegnungsarbeit im Ausland Talitha Kumi / Bildungszentrum nahe Bethlehem im Heiligen Land. 1851 von Kaiserwerther Diakonissen gegründet, liegt die Trägerschaft für die Schule heute beim Berliner Missionswerk.

 

Auch Spenden im Internet-Klingelbeutel sind möglich

Als Schutzmaßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus werden in der rheinischen Kirche flächendeckend und über mehrere Wochen Gottesdienste abgesagt. In die Kirchenkollekte kann aber dennoch gespendet werden: über den Internet-Klingelbeutel.

 

Die Abwicklung läuft über  das Spendenportal der KD-Bank auf dem nun auch als zusätzliche  Zahlungsmethode Paypal angeboten wird. Spenderinnen und Spender erhalten auf Wunsch für jede Spende eine Zuwendungsbestätigung, die einkommensteuermindernd eingesetzt werden kann.